Spuren, die bleiben? Konturen einer digitalen Bestattungskultur in theologischer Perspektive
Am 24. März 2026 ging es in einem Vortrag von Frau Dr. des. Lea Stolz, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Praktische Theologie der Universität, um die Bestattungskultur im Wandel und digitales Trauern.
Sie konzentrierte sich auf die soziologische Sicht und hielt sich bei ethischen Fragen zurück, die dann aber in der Diskussion eine Rolle spielten.
Gesellschaftliche Großprozesse durchlaufen vergleichbare Phasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Eine Auswahl:.
- Verdrängung - z.B. wird heute meist nicht mehr zu Hause gestorben
- Deinstitutionalisierung - z.B. das Schwinden der Kirche im Prozess,
- Mediatisierung - z.B. Gedenkseiten im Internet.
Einen Wandel in der Bestattungskultur kann schon im 19. Jahrhundert festgestellt werden. Stichworte sind
- Urbanisierung - z.B. durch Zentralfriedhöfe und Krematorien (Anteil der Urnenbestattungen in Deutschland in 2024: 81%.)
- Individualisierung - z.B. Lockerung der Friedhofspflicht in verschiednene Bundesländern
Welche Änderungen können in der Erinnerungskultur festgestellt werden? Die Multimedialität nimmt zu, Beispiele sind Bilder/Fotos auf Grabsteinen, auch als Ersatz für christliche Symbole,Interaktivität, und Individualisierung. Was passiert im digitalen Raum? Drei Beispiele wurden ausgeführt.
- Digitale Gedenkseiten im Internet fördern gemeinsames Gedenken und helfen manchmal Menschen in gleichen Situationen zusammen zu führen. Dabei gibt es neben den kostenlosen Inhalten auch kostenpflichtige Angebote mit erweiterten Möglichkeiten.
- QR-Code auf Grabsteinen geben die Möglichkeit mehr über den Verstorbenen zu erfahren. Auch das wird schon als Geschäftsmodell (Plakette für den Grabstein) genutzt.
- Avatare der Verstorbenen - der Begriff dafür lautet „Digital Afterlife Industry“ (DAI). Es wird ein Avatar erzeugt mit Aussehen, Stimme und Duktus des Verstorbenen. Künstliche Intelligenz erlaubt es dann den Angehörigen, mit dem Avatar des Verstorbenen zu sprechen.
Während in der Diskussion die ersten beiden Beispiele noch bei vielen der Anwesenden auf Akzeptanz stießen, wurde der Avatar einhellig abgelehnt. Da das Publikum durchweg zur älteren Generation zählte, blieb die Frage nach der Akzeptanz unter jungen Menschen offen. Frau Stolz erinnerte an das frühere Verbot und auch nach dessen Aufhebung lange Ablehnung von Feuerbestattungen - und wie sich das geändert hat.
Den Abschluss bildete ein kurzer Abriss zu Trauerphasen und Traueraufgaben.
Erfreulich war die angeregte Diskussion unter den Anwesenden.
Ewig anders Ditzingen bedankte sich bei Frau Dr. Stolz für den Vortrag und bei der Evangelischen Kirche in Ditzingen in Person von Herrn Pfarrer Römisch für die Organisation im Evangelischen Gemeindesaal.
