Nachdenken über Schmetterlinge und über den Tod

Alt und Jung kamen auf dem Ditzinger Friedhof zusammen, um die Projektfläche von “Ewig anders Ditzingen” zu schmücken.

Die Möglinger Künstlerin Elke Gaertner und die Kinder der Kita Glemsaue haben Schmetterlinge gestaltet, die nun Farbe und auch frischen Wind auf die Projektfläche von „Ewig anders Ditzingen“ auf dem Ditzinger Friedhofs bringen.

Es tut sich was auf der 22 x 15 Meter großen Projektfläche, die eine Handvoll engagierter Bürger im Nachhall der letztjährigen Veranstaltungsreihe der Kulturregion weiterführt. Damals waren hier Stationen zu den vier Elementen entstanden: Eine flache Wasserfläche steht symbolisch für den Übergang zwischen Leben und Tod, spiegelt aber auch den Himmel. Auf den übereinander geschichteten Grabsteinen kann man Kerzen und Erinnerungsstücke aufstellen und auf dem Hügelbeet Blumen im Andenken an liebe Verstorbene pflanzen. Weil man fern ihrer Gräber ist oder weil sie in einem der nahe gelegenen Baumgräbern bestattet sind, wo solch persönliche Trauergesten nicht gestattet sind.

Die großen Windsegel, die für das Element Luft standen, hielten allerdings dem Zahn der Zeit nicht stand und sind derzeit noch abgebaut. Als Ersatz ersann die Möglinger Künstlerin Elke Gaertner einen Workshop: Aus ausgedienten Milchbehältern schnitt sie wetterfeste Schmetterlinge und verlieh ihnen so ein neues Leben. Die Kinder des Kindergartens Glemsaue grundierten sie zunächst weiß und bemalten sie dann ausgesprochen farbenfroh. Sowohl Gaertner als auch Mariette Machmer von “Ewig anders Ditzingen” erzählen, das gemeinsame Werkeln sei “sehr spannend und lustig” gewesen.

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Mit den fertigen und auf Stöcke montierten Schmetterlingen schmückten die Kleinen am Mittwoch das Hügelbeet der Projektfläche und auch einige Senioren des nahegelegenen Pflegeheims nahmen an dem kleinen Festakt teil. Mariette Machmer erklärte kindgerecht die Projektfläche, auf der man auch einfach nur sitzen und den Vögeln zuhören könne – oder den Flugzeugen zusehen, wie ein Junge einwarf. Dass einige Kinder bereits eigene Erfahrungen mit Verlust gemacht hatten – weil Opa oder Oma gestorben sind oder das Haustier –, das zeigte sich, als sie sorgfältig ihre Schmetterlinge positionierten. 

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Dann sangen sie “Schmetterling, du kleines Ding” und die Erwachsenen stimmten “Geh aus mein Herz und suche Freud’“ an, das vielleicht tröstlichste Lied der Musikliteratur: Paul Gerhardt (1607 - 1676) schrieb es, nachdem er fast die ganze Familie verloren hatte und das Land vom Dreißigjährigen Krieg verheert war. Trotzdem ermutigt es, das Schöne zu suchen. Ute Schmiedt von „Ewig anders Ditzingen“ las danach noch ein Kindergedicht von der Raupe vor, die so still und tot daliegt und sich doch in einen Schmetterling verwandelt. Was ihn zu einem wunderbaren Symbol für das Projekt macht.

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Und noch etwas war an diesem Tag neu auf der Fläche: Ein Schaukasten, zunächst nur provisorisch aufgestellt, der jedoch bald über das Projekt informieren und auch in wechselnden Haikus kleine Impulse geben soll. Der Haiku ist in Japan die bevorzugte Gedichtform, um das Werden und Vergehen des Lebens zu beschreiben. In den nächsten Monaten möchte man überdies die Wasserfläche neu gestalten und weitere Mitmach-Aktionen sind ebenfalls angedacht.